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Gelobt seien die Reichen

Gelobt seien die Reichen

Maurice Richard Hennessy – Vertreter der achten Generation der Familie Hennessy – kommt schon seit mehreren Jahren immer wieder nach Russland. Im Unterschied zu den meisten anderen Ausländern beschränkt er sich bei seinen Besuchen nicht auf Moskau und St. Petersburg, und hat schon mehr Städte besucht als so mancher Einheimischer. Der Vertreter des Cognac-Hauses hat sich sogar an die Besonderheiten des russischen Geschäftslebens gewöhnt und Wodka lieben gelernt – zuhause hat er immer einen kleinen, gut gekühlten Vorrat des russischen Nationalgetränks...

Maurice, was verbirgt sich hinter dem Firmenlogo von Hennessy?

Als Firmenlogo wurde ein Fragment des Familienwappens gewählt — eine Hand, die eine Hellebarde hält — und der Name des Gründers unseres Hauses.

Wenn man von Hennessy-Cognac spricht, muss man auch an die typische Flasche denken. Wann wurde diese elegante Form erdacht?

Bis 1947 sahen die Cognacflaschen von Hennessy ganz genau so aus, wie die traditionellen Weinflaschen. 1947 wurde diese originelle Form entworfen, die zunächst für den Cognac Hennessy XO verwendet wurde. Heute wird sie auch für Hennessy Paradis und Richard Hennessy verwendet.

In Russland ist Cognac von Hennessy besonders bei Frauen beliebt. Wissen Sie warum?

Ich muss sagen, dass er auch bei Männern beliebt ist. (lacht). Natürlich wurde der Grundstein für diese Popularität noch zu der Zeit gelegt, als Hennessy entstand: wir unterstützten talentierte Menschen, darunter befanden sich auch nicht wenige Frauen. Im Vergleich zu den Männern lieben Frauen wahrscheinlich raffinierte Getränke mehr, weil sie harte Getränke nicht in großen Mengen trinken, sondern es vorziehen, den Geschmack zu genießen.

Wer trinkt in Frankreich mehr harte Getränke, die Männer oder die Frauen?

Die Französinnen trinken äußerst wenig. Meine Frau zum Beispiel erlaubt sich ab und zu ein Glas Wein oder ein wenig Cognac, obwohl meine Großmutter zum Beispiel sehr viel mehr trinken konnte... Wahrscheinlich ist es so, dass die Franzosen sich in ihrer Jugend verschiedene Verrücktheiten erlauben. Das hat verschiedene Gründe: einmal weil es modern ist, dann weil an der Uni «alle trinken», weil das Wochenende da ist, weil ein Feiertag ist und so weiter. Eigentlich ist das furchtbar. Die erwachsenen Französinnen, die heute Cognac trinken, trinken ihn in sehr kleinen Mengen. Ich habe den Verdacht, dass diejenigen, die viele trinken, in der Regel Wodka trinken.

Und was halten Sie von Wodka?

Ich weiß, dass er bei den Russen sehr beliebt ist und dass es ein gutes Getränk ist. Außerdem gibt es Dinge, die man sich einfach nicht vorstellen kann ohne Wodka: zum Beispiel Kaviar... Bei Ihnen spielt die Temperatur des Wodkas beim Trinken keine besondere Rolle. Wodka wird sowohl kalt als auch warm getrunken. Und warum auch nicht? Von Ihrem eigenen Getränk verstehen Sie sicher viel mehr als wir... Aber in Frankreich ist es zum Beispiel üblich, nur gut gekühlten Wodka zu trinken, weil man dann das Gefühl hat, man trinke Milch. Und auf diese Weise kann man eine ganze Menge trinken! (lacht). Von Zeit zu Zeit habe ich auch nichts gegen ein Gläschen. Aber ich muss sagen, dass mein Verhältnis zum Wodka das gleiche ist wie auch zum Cognac: man sollte ihn sehr in Maßen zu sich nehmen...

Was passt Ihrer Meinung gut zu Cognac?

Natürlich Schokolade. Nicht weißer, sondern echter Bitterschokolade. Kaffee. Ein Glas Minaralwasser mit Eis. Das sind wunderbare Kombinationen. Sehr erfrischend. Die asiatische Küche zum Beispiel passt nicht sehr gut zu Cognac, aber die russische (wird nachdenklich) passt durchaus. Warum nicht? Ich habe das hier in Russland schon probiert.

Welche alkoholischen Getränke haben Ihrer Meinung nach die größte Zukunft?

Alle, die über ein gutes Management verfügen. Die Marken, die darüber verfügen, entwickeln sich und werden sich auch weiterhin erfolgreich entwickeln.

Haben Sie Zeit zum Lesen?

Ich lese sehr gern, deshalb lese ich sehr viel. Besonders auf Reisen und in Flugzeugen. Im Moment interessiere ich mich für Tagebücher. Ich lese die Tagebücher bekannter Journalisten. Das ist sehr interessant... Aber noch lieber mag ich historische Romane. Ich habe eine große Bibliothek zuhause.

Haben Sie russische Lieblingsschriftsteller?

Von den zeitgenössischen — Karpow. Überhaupt liebe ich die Werke von Ilf und Petrow, besonders die «12 Stühle». Ich bin auch ein großer Verehrer von Solschenizyn.

Womit verbinden Sie hohe Lebensqualität?

Mit Stille, Comfort und Freiheit.

Freiheit wovon?

Gute Frage. Freiheit, ja, aber wovon?.. Es gibt Dinge, die man schlecht in Geld ausdrücken kann, die sich aber dennoch nur reiche Leute leisten können. Zum Beispiel Stille, wenn es um das Leben in einer Großstadt geht. Wenn Sie reich sind, können Sie sich doppelte Verglasung leisten oder Immobilien in einem stillen, grünen Viertel kaufen. Wenn Sie reich sind, ist es leichter sich glücklich zu führlen, Sie können sich eine hohe Lebensqualität leisten: teuren Champagner trinken, zum Beispiel Dom Perignon, Kaviar essen... Natürlich sage ich da irgendwie komische Dinge, aber sie enthalten ein Quentchen Wahrheit. Reichtum gibt einem die Möglichkeit, gesund zu sein, ein erfülltes, interessantes Leben zu führen, komfortable und gute Wohnungen zu haben, die Leute auszuwählen, mit denen man verkehren möchte. Sie müssen zugeben, dass das sicher besser ist als eine schlechte Gesundheit, die Notwendigkeit mit Leuten zu tun zu haben, die man nicht leiden kann, und als die Unmöglichkeit, die Situation zu ändern.

Die Menschen gewöhnen sich schnell an das gute Leben. Der Verzicht worauf wäre für Sie am schwierigsten?

Ich habe ein interessantes Leben und ich liebe es. Gute Freunde, geliebte Frau und Kinder, ein gemütliches Haus, ich lebe in meinem geliebten Frankreich, tue eine Arbeit, die ich liebe, treffe Filmschauspieler, organisiere Konzerte. Wozu sollte ich eine Revolution veranstalten und auf das alles verzichten?

Datum und Zeit:

28.09.2008

Autor:

Elina Burzewa

Quelle:

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