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John Rankin Waddell

John Rankin Waddell

John Rankin Waddell - oder einfach nur Rankin - ist ein englischer Fotograf, Herausgeber und Regisseur. Sein Portfolio umfasst Fotosessions mit Königin Elisabeth II, Tony Blair, den Rolling Stones, U2, Schwarzenegger, Kate Moss, Naomi Campbell, Leonardo di Caprio usw. Zu den von ihm ins Leben gerufenen Projekten gehören die Zeitschrift und die digitale Fernsehshow “Dazed & Confused”. Sein erster abendfüllender Film “The Lives of the Saints” erhielt den Hauptpreis der Jury auf dem Festival in Salento. Er hat mehrere Bücher herausgegeben. Im letzten von ihnen “Beautifull” geht es um die allerberühmtesten Frauen der Welt und ihre Schönheit. Rankin wiederholt sich nicht und lässt sich in keine Schublade stecken. Seine Arbeiten sind intim, elegant, witzig und paradoxal.

Fühlen Sie sich selbst als provokanter Fotograf?

Viele halten meine Arbeiten für provokant. Wahrscheinlich sind sie das tatsächlich. Aber ich setze mir nicht das Ziel, die Menschen mit meinen Fotos zu schockieren. Mein Ziel ist es, kreativ zu sein, Arbeiten zu schaffen, die mich selbst bewegen und interessieren.

Welche Kunstwerke haben Ihrer Ansicht nach unwahrscheinliche Kraft?

Ich bin überhaupt ein Fan verschiedener Arten von Kunst. Historische Versuche in verschiedenen Gattungen haben großen Einfluss auf mich und darauf, wie ich fotografiere. Ich weiß noch, wie ich ein Buch mit Caravaggio-Reproduktionen zur Hand nahm, und dass sie mich bezauberten. Dann sah ich ein echtes Gemälde, und es machte keinerlei Eindruck auf mich. Als ich zum ersten Mal „Away from the flock“, eine Arbeit von Damien Hirst, sah, war ich hingerissen. Auf einmal wurde mir klar, dass die Fotografie einfach sein muss und dass man nicht für Intellektuelle fotografieren soll, sondern für Menschen, die hinsehen und verstehen.

Wie kann man feststellen, ob eine Arbeit ein Kunstwerk ist oder nicht?

Mir scheint, wenn man etwas an die Wand hängt, ist das schon Kunst.

Fotografieren Sie Menschen so wie sie sich selbst sehen oder versuchen Sie, das aus ihnen herauszuholen, was sie selbst nicht über sich wissen?

Ich habe da einen Gedanken parat. Er beantwortet zwar nicht ganz Ihre Frage. Aber ich möchte ihn trotzdem zuerst aussprechen, und dann versuche ich, Ihnen zu antworten. Fotografien sind ihrem Wesen nach falsch. Sicher, sie vermitteln den Eindruck von etwas Echtem, aber das ist immer etwas künstlich Geschaffenes. Eine Unwirklichkeit. Und diese Erzählung ist auf jeden Fall verlogen. Ich weiß apriori, dass ich lüge, aber ich versuche das immer so ehrlich wie möglich zu tun. Und jetzt versuche ich, auf Ihre Frage konkreter zu antworten. Es gibt zwei Sorten von Menschen. Manche lasse dich an sie heran, sie geben dir die Möglichkeit, in ihnen etwas bisher Unbekanntes zu entdecken und können vollkommen neu erscheinen. Und dann gibt es Leute, die einfach nur schön sein wollen. Also hängt das Ergebnis meiner Aufnahmen vom Wunsch der Person ab, die ich fotografiere. Ich übe auf niemanden Druck aus und bestehe nicht auf irgendetwas. Ich bin kein Künstler, sondern Fotograf. Es ist ein Geschäft. Aber ich habe dabei widersprüchliche Gefühle. Einerseits bin ich sehr stolz darauf, dass auf meinen Fotos jedes Modell schön aussieht. Ich werde verführt von der Welt der Mode und den Möglichkeiten der zeitgenössischen Fotografie. Andererseits hasse ich das alles. Und schöne Fotos ärgern und enttäuschen mich, weil ich sehr gut weiß, wie oberflächlich das alles ist.

Muss ein Fotograf auch Psychologe sein?

In mancher Hinsicht sind wir das. Oft fangen Leute bei Aufnahmen an, mir etwas zu erzählen, und danach geben sie dann zu, dass sie nicht einmal ihren besten Freunden so das Herz ausschütten. Ich weiß nicht, ob es anderen Fotografen auch so geht, aber ich erfahre wirklich viel über die Leute, die ich fotografiere. Ich erzähle ihnen auch über mein Leben. Meiner Meinung nach verhalten echte Psychologen sich nicht so.

Können Sie sagen, dass die Porträts, die Sie von anderen Menschen machen, zum Teil Selbstporträts sind?

Meine Fotos sind ein Tagebuch. Ein Buch, das mein Leben beschreibt. Nur, dass ich darin nicht vorkomme… Ich habe wirklich das Gefühl, dass meine Arbeiten in letzter Zeit mehr von mir erzählen. Ich sehe mich selbst in den Porträts anderer Leute, weil ihnen meine Sicht ihres Wesens zugrunde liegt. Wenn du dein eigenes Bild von einer Fotografie abliest, auf der du gar nicht draufbist, fühlst du dich toll. Aber das passiert nur, wenn du bei den Aufnahmen deine ganze innere Kraft, dein Talent einbringst. Oder manchmal, wenn du einfach das Licht gut einstellst und das Modell gut posiert. Du hältst den Fotoapparat in der ausgestreckten Hand, drückst auf den Knopf – das ist das Handwerk. Der Inhalt der Fotos, die in diesem Zustand gemacht werden, hat wenig damit zu tun, was mich persönlich betrifft.

Apropos, welches Ihrer Projekte halten Sie für das gelungenste?

Dass ich Vater geworden bin.

* Die erste Ausstellung von Rankin in Russland mit dem Titel „Visually Hungry“ fand im Rahmen der „Fotobiennale 2008“ statt.

Autor:

Uljana Lemeleches

Quelle:

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