- Date
- 01 August 2010
- Time
- 0:48
Übernachtung in Moskau kommt teuer
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Wenn Robert Jenkin, Geschäftsführer einer Firma in der Immobilienbranche, die Millionenumsätze hat, irgendwohin fährt, steigt er in Tokio, New York und in vielen anderen Städten in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels ab. In Moskau aber lebt er in Mietwohnungen und nimmt schmuddelige Stiegenhäuser, Möbel aus der Sowjetzeit und zwielichtige Immobilienbüros in Kauf.
Die Rechnung ist einfach: wenn Jenkin (der übrigens in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, lebt) geschäftlich für eine Woche nach Moskau kommt, legt er für ein Hotel 5 Tausend Dollar ab, für die Miete einer Wohnung aber nur 1500. „In anderen Städten hat es keinen Sinn, eine Wohnung zu mieten“, sagt er. „aber Moskau ist eben Moskau.“
In Moskau sind Hotelzimmer die teuersten der Welt und außerdem Mangelware. Nach Angaben der Firma Hogg Robinson Group, die Serviceleistungen für große Korporationen bietet, sind die Durchschnittspreise für einen Hotelaufenthalt in Moskau seit 2004 um 93% gestiegen. Laut einer Studie von Hogg Robinson kostete ein Aufenthalt in einem Zimmer der Business-Klasse in Moskau im Vorjahr im Durchschnitt 540 Dollar. Zum Vergleich: in New York kostet ein Hotelaufenthalt durchschnittlich 384 Dollar.
Wenn Sie jedoch die Hotels im Zentrum von Moskau anrufen, wird Ihnen sogar ein Preis von 540 Dollar erträglich vorkommen. Es gibt viele Zimmer, die beinahe Tausend Dollar pro Nacht kosten, wenn nicht mehr. Im „Baltschug Kempinski“, wo man in einem Teil der Zimmer einen Ausblick auf den Kreml hat, beträgt der Minimalpreis für eine Nacht an einem Wochentag im Moment 1600 Dollar, und im Ararat Park Hyatt, wo westliche Prominente gerne absteigen, verlangt man 1300 Dollar.
Der Grund dafür ist, dass die Nachfrage das Angebot bei weitem übertrifft. Im russischen Wirtschaftsboom, der sich auf den Handel mit Erdöl stützt, sind die Preise für Immobilien in der russischen Hauptstadt sprunghaft gestiegen, die Inflation wird immer höher und die Reichen immer reicher. Die riesigen Hotels, die in der Sowjetzeit errichtet wurden, wurden abgerissen und das heißt, dass Tausenden von mäßig teuren Hotelzimmern vom Markt verschwunden sind.
Wenn Leute, die auf Geschäftsreisen nach Moskau kommen, nicht wegen der Ökonomie auf ihren Komfort verzichten wollen, versuchen sie Hotelzimmer zu Firmensonderpreisen zu bekommen, mieten Wohnungen oder wohnen in Hotels weitab vom Stadtzentrum.
Eine weitere beliebte Möglichkeit ist ein Aufenthalt in den Moskauer Holiday Inn Hotels. Doch sogar dort kommt das viel teurer als in vergleichbaren Hotelzimmern in anderen Teilen der Welt: nach den letzten Angaben kostet das billigste Zimmer in dem Hotel der Kette, das dem Stadtzentrum am nächsten liegt, 280 Dollar pro Nacht. Andere Holiday Inn Hotels liegen weit vom Zentrum entfernt, darauf ist bei der Buchung also zu achten.
Die hohen Hotelpreise sind ein Phänomen, das die ganze Stadt betrifft. In St. Petersburg, der Hauptsehenswürdigkeit für Touristen in Russland, ist der Hotelmarkt differenzierter. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Moskauer Preise „exportiert“ werden. Als im Juni in St. Petersburg das große Wirtschaftsforum stattfand, forderten viele Hotels, dass ihre Gäste mindesten vier Nächte bleiben und hoben gleichzeitig die Preise. In dieser Angelegenheit führt der Antimonopoldienst gerade eine Untersuchung durch.
In Moskau bleiben die Aussichten nicht gerade tröstlich, denn die Nachfrage seitens Wirtschaftstreibenden und Geschäftsreisenden steigt immer noch. Da die russische Wirtschaft 6-8% im Jahr wächst, ist die Stadt ein Magnet für ausländische Investoren. Die einen interessiert die Erdölindustrie, andere hoffen auf profitable Verträge zur Modernisierung der Infrastruktur aus Sowjetzeiten, und wieder andere wollen am Einzelhandelsboom mitverdienen, der große Ketten wie das schwedische Möbelhaus Ikea anzieht.
„Ständig kommen Delegationen von Wirtschaftstreibenden aus den verschiedensten Firmen und aus aller Herren Länder nach Moskau“, erklärt Frank Schauff, der Geschäftsführer der Europäischen Wirtschaftsassoziation. Er zählt lange die Investoren auf, mit denen er in der vergangenen Woche Treffen hatte, - Vertreter solcher Branchen wie Kommunikation, Stahl, Pharmazie und chemische Industrie. Viele von ihnen kommen auf Kosten ihrer Firmen und achten deshalb nicht auf die Preise, wenn es um Hotels geht, erklärt der Analytiker.
Außerdem wollen diese Leute den richtigen Eindruck machen. Wenn Sie ein Millionengeschäft vorschlagen, erhöht es nicht gerade Ihr Renomé, wenn Sie in einem schmuddeligen Hotel wohnen“, erklärt Stefan Mayret, Vize-Präsident der Firma Jones Lang Lasalle Hotels, der Hoteliers und Investoren im Hotelgeschäft berät.
Simon Cooper, Präsident der Ritz-Carlton Hotel Co., die in Moskau ein Hotel (der Mindestpreis für ein Zimmer dort beträgt nach jüngsten Angaben an einem Wochentag 1300 Dollar) sagt, dass der Preisanstieg der Bereicherung der Russen selbst dient. In Moskau leben nach manchen Schätzungen 74 Dollarmilliardäre, d.h. Superreiche gibt es dort mehr als in New York. Die treibende Kraft ist die Tatsache, dass die Leute soviel bezahlen“, sagt Cooper und erklärt, dass im Moskauer Ritz viele Geschäftsleute aus anderen Städten Russlands absteigen.
Das Defizit beim Angebot verschlimmert sich noch durch den systematischen Abriss von Hotels, die unter dem kommunistischen Regime erbaut wurden. Manche, wie zum Beispiel das verhasste Hotel „Intourist“, das nun zum Ritz-Carlton wurde, beginnen ein neues Leben als Fünf-Sterne-Tempel des Luxus. Für andere hat sich bis jetzt noch kein Ersatz gefunden. So ist das gigantische Hotel „Rossija“ vom Markt verschwunden, das zu Sowjetzeiten in der Nähe des Roten Platz erbaut worden war: etwa dreitausend Zimmer gab es dort und damit war es eines der größten Hotels Europas. An seiner Stelle wurde bis jetzt nichts erbaut. Das Hotel „Moskwa“, das auf den Etiketten der Wodkamarke „Stolychnaya“ zu sehen ist, wurde ebenfalls abgerissen; an seiner Stelle entsteht eine Kopie des Äußeren des Gebäudes, aber mit einem neuen Innenleben. Das „Moskwa“ wird im kommenden Jahr unter dem Management von Four Seasons Hotels & Resorts wiedereröffnet.
Andere Hotels werden für längere Zeit zur Renovierung geschlossen, und wenn sie wieder eröffnen, sind die Preise natürlich höher. Das Hotel „Ukraina“ mit eintausend Zimmern, das in einem der Stalinhochhäuser untergebracht ist, ist im Moment geschlossen: es wird zu einem Fünf-Sterne-Hotel in westlichem Stil umgebaut. Es besteht wenig Hoffnung, dass es danach noch die alten Zimmer geben wird, die weniger als 200 Doller kosteten und als „in sowjetischem Stil eingerichtet“ angepriesen wurden.
Datum und Zeit:
12.08.2008Autor:
Andrew OsborneQuelle:
The Wall Street Journal
