Journal

Der Augenblick der Kontrolle

Der Augenblick der Kontrolle

Der HolländerAnton Corbijn erhielt 2007 in Cannes den Preis für das beste Regiedebüt: die Verfilmung der Biografie von Ian Curtis, des Solisten der Gruppe «Joy Division». Aber er ist durchaus kein Debütant, wovon wir uns während der Moskauer Fotobiennale überzeugen konnten. Auf die retrospektiven Ausstellung „Die vier Dimensionen von Anton Corbijn“ des berühmten Fotografen und Clipmakers zu gelangen, war schwierig.

Im Film „Control“ behandeln Sie das Problem eines Künstlerschicksals in der europäischen Provinz. Ist die Formel „Erfolg um den Preis des Lebens“ immer noch aktuell?

Jeder Menschen hat eine moralische Wahl. Suizid ist für mich negativ. Nimm dein Talent und nutze es bestimmungsgemäß, wirf es nicht weg! Es ist zu hoffen, dass unter den gewöhnlichsten Lebenumständen etwas Schönes entsteht. Ich bin nicht für Drogen, ich bin für die Kreativität. Dabei muss man nicht unbedingt nur Positives zeigen. Es gibt viele Dinge, die einen inspirieren können.

In unserer Zeit sind fotografierende Menschen bereits eine Massenerscheinung… Wie soll sich ein beginnendes Talent da durchsetzen?

Erstens rate ich, aufzugeben. (Lacht.) Zweitens, sich aufzuraffen. Und das Verrückte zu tun, drittens. Ich denke, dass das Zeitalter der Digitalfotografie jedem die Möglichkeit gibt, Fotograf zu werden. Das ist natürlich gut, aber es führt auch zu einer riesigen Menge Ausschuss. Es gibt keine Meisterschaft mehr. Keinen Inhalt. Außerdem fotografiert man oft neben der Hauptbeschäftigung, was die Ergebnisse des Schaffens unwichtiger macht. Die Fotografie ist das, was man sich für später aufhebt.

Heißt das, dass man dort, wo es mehr professionelle Fotoschulen gibt, wie z.B. in den USA, eine größere Anzahl an Profifotografen erwarten kann?

Ich habe Fotografie nicht studiert, aber ich weiß, dass diese Schulen mehr mit Geschäft zu tun haben. Und für mich ist die Hauptsache die Fantasie. In jenen Schulen lehrt man, wie man ein Studio organisiert und das Licht einstellt, aber nicht, wie man Inspiration fühlt.

Nehmen Sie Ihr Leben wie einen endlosen Kinofilm wahr? Und schalten Sie irgendwann von der Arbeit ab?

Nie. Denn alles, was ich tue, ist mein Leben. Und ich möchte das Leben nicht mit einem Film vergleichen. Ich fahre von Land zu Land und jedes Mal beginnt mein Leben neu. Es ist wichtig, dass man jeden Augenblick genießen kann, ohne an die Zukunft zu denken.

Kann ein guter Videoclip schlechter Musik helfen?

Ja, manchmal passiert das schon. Aber wenn du einen tollen Song hast, ist es schwer, einen schlechten Clip zu machen. Die Hauptsache ist die Idee des Songs, die Geschichte. Sogar in meinem Film über „Joy Division“ ist die Geschichte die Hauptsache, und die Musik ist die Ergänzung.

In Ihren Starporträts ist wenig vom Hollywoodlächeln zu sehen…

Die Arbeit mit Stars hat sehr konkrete Ziele. Dennoch suche ich verschiedene, ungewöhnliche Erscheinungen von Schönheit…

Datum und Zeit:

26.05.2008

Autor:

Alexander Pawlowski

Quelle:

Menu Magazine