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Der Geiger

Der Geiger

David Garrett nahm zum ersten Mal eine Geige in die Hand, als er vier Jahre alt war, und in diesem Alter gab er auch sein erstes Konzert. Mit acht Jahren studierte er bei den besten Lehrern der Welt, arbeitete mit berühmten Dirigenten und spielte mit legendären Orchestern.

Mit 14 entdeckte er Pop, Jazz und Led Zeppelin. Er wurde wegen Schwänzens aus dem Londoner Königlichen Musikcollege ausgeschlossen und ging gegen den Willen seiner Eltern an die Juilliard Musikschule in New York. Dort sah er zum ersten Mal, wie seine Altersgenossen lebten: Nachtclubs, Partys, Modeschauen, Surfing. „Ich habe nichts ausgelassen, was Eindruck auf Mädchen machen konnte“, meint David. Er spielt für Präsidenten und Prinzessinnen. Klassische Musik klingt in seiner Interpretation aktuell und progressiv. Er selbst vereinigt in seinem Leben und in seinem Spiel auf talentierte Weise klassische Traditionen und die Freiheit des Experiments.

David, auf welchen großartigen Geigen haben Sie schon gespielt?

Ich spiele auf Stradivari-Geigen, seit ich 12 war. Und das heutige Konzert spiele ich ebenfalls auf einer seiner Geigen aus dem Jahr 1703, die in der goldenen Periode entstanden ist.

Haben Sie eine Lieblingsgeige?

Ich liebe sie alle. Eine Geige ist wie ein Mensch. Jede hat ihren eigenen Charakter, mit jeder erlebst du besondere Augenblicke, an jede denkst du anders. Einerseits ist die Geige wichtig für mich, andererseits ist die Hauptsache doch das, was du in dein Spiel hineinlegst, welchen Komponisten du spielst… Aber eine gute Geige klingt in der Regel in allen Händen gut. Und eine schlechte wird auch in den Händen der begabtesten schlecht klingen.

Was ist das Geheimnis dieser großen Geigen?

Allgemein nimmt man an, dass das Erscheinen von etwas Vollkommenem mit Zauberei zu tun hat. Ich glaube das nicht. Auf die Geigen von Stradivari ist enorme Arbeit, Kunst und Mühe verwendet worden. Mit diesen Eigenschaften kann man dieses Genie charakterisieren. Seine Geigen sind gut getane Arbeit. Da ist überhaupt nichts Rätselhaftes dabei.

Gibt es zeitgenössische große Meister der Geigenbaukunst?

Meiner Meinung nach hat die besten Geigen Stradivari gebaut. Viele versuchen, etwas Ähnliches zu schaffen, aber das Ergebnis ist immer nur eine Kopie. Für eine Geige reicht es nicht, nur gut poliert zu sein und zu glänzen. Die Hauptsache bei einem Instrument ist der Klang.

Wer ist Ihr Lieblingskomponist?

Ich könnte fünfzig Namen nennen, aber wenn ich mit mir allein bin, gefällt mir Bach am besten.

Und welche Epoche ist Ihnen nah?

Meine Lieblingskompositionen wurden in der Romantik geschrieben. Deshalb gefallen mir alle Komponisten dieser Epoche sehr: Rachmaninow, Brahms, Tschaikowski …

Wo verbringen Sie die meiste Zeit?

In der Luft; leider verbringe ich mehr Zeit in Flugzeugen als in meiner Wohnung in Manhattan. Voriges Jahr hatte ich 50 Flüge, also etwa 600-700 Flugstunden. Ich komme also monatelang nicht aus den Flugzeugen heraus.

Hatten Sie schon einmal innerhalb von 24 Stunden Gastspiele in mehreren Ländern?

Ja, oft. Zum Beispiel habe ich am Morgen ein Konzert in München gespielt, dann fuhr ich mit dem Auto nach Italien, wo ich am Abend ein Konzert gab.

Gibt es eine Stadt, in der Sie sich zuhause fühlen?

Ja, in New York.

Ich weiß, dass Sie Erfahrung mit der Arbeit als Fotomodell haben …

Das war in einem ganz anderen Leben. Da gab es viel Sex, Drogen und Rock `n Roll. Nur ein Scherz! Ich habe das etwa eineinhalb Jahre gemacht, als ich am College studierte. Meine Eltern hatten aufgehört mir zu helfen, und ich musste irgendwie selbst Geld verdienen, und Modeln war eine leichte Arbeit. Und ich habe mehr verdient als die Mitarbeiter in der Bibliothek.

Würden Sie gern noch etwas anderes machen als Musik?

Ich denke nur an Musik.

Und welche Musik entspricht Ihrer Stimmung im Moment?

Ich würde gern Jazz hören…

Datum und Zeit:

12.05.2008

Autor:

Uljana Lemeleches

Quelle:

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